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Date Posted: Thursday, 29.04.2004; 9:14
Author: imgew
Subject: Egozentrisch
Hallo,
ich glaube, ich habe im Laufe der Zeit mein Mitgefühl für andere verloren. Damit meine ich nicht das Verständnis, verstehen kann ich noch vieles, vielleicht sogar alles - aber es interessiert mich nicht mehr.
Ich kann mich erinnern, dass mich früher viel mehr interessiert hat, wie es meinen Mitmenschen geht. Ich bin mir nicht sicher, warum ich dieses Interesse verloren habe und ich weiß auch nicht, für wen das gut ist oder schlecht.
Vieleicht liegt es daran, dass ich überzeugt bin, dass jeder zunächst für sich selbst Sorge tragen muss - aber immer wieder gesehen habe, dass auch Leute, die sich für andere "aufopfern" keine echte Sorge für sich selbst tragen. Warum soll also ich mich darum sorgen?
Ich war schon als Kind überzeugt, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist und es hat mich wütend gemacht, dass da irgendein Gesetz vorschreibt, dass ich erst mit 18 Jahren "voll"jährig bin. Nun, als Einjähriger hätte ich nicht ohne Hilfe von selbst überleben können - aber ab ca. 6 Jahren schon. Und von vorher habe ich kaum Erinnerungen.
Ich kann mich an rein gar nichts erinnern, wo mir diese Beschränkung irgendeinen Nutzen gebracht hat. Das sichere Auskommen daheim hätte ich gern gegen ein gefährliches Leben in der freien Natur eingetauscht. Es war mir damals schon klar, dass ich im Paradies umkommen würde - ich würde einfach keinen Anreiz zum Leben haben.
Seit ich mich erinnern kann, habe ich das Bedürfnis zu sterben - und gleichzeitig eine ungeheure Neugier auf die Welt.
Als Kind habe ich mich nicht umgebracht, weil ich keine sichere Methode und keinen sicheren Platz wusste und die Schmach, als zu dämlich zu gelten, sich umzubringen wäre wesentlich größeres Ungemach gewesen, als das damalige Leben. Später hat mich Verantwortungsbewußtsein davon abgehalten, so habe ich mich über die jahre gerettet.
Immerhin habe ich viele Erfahrungen gesammelt, meine Neugier ist also befriedigt worden. Aber so viel Neues gibt es nicht mehr. Alles, was so abläuft in der Welt, gibt es schon seit tausenden von Jahren. Nur der oberflächliche Anschein hat sich geändert. Trotzdem glauben viele Menschen an den "Fortschritt". Ich bin wohl ein Misanthrop geworden.
Jetzt geht es nur noch um mich - aber das ist wohl ein bisschen wenig, oder? Ich fühle mich einfach satt - soll ich nur deshalb weiterleben, damit andere keine Probleme mit meinem Abgang haben? Was hält denn Euch noch am Leben?
(Keine Angst - selbst wenn ich mich heute definitiv entschließen würde, abzutreten, brauchte ich noch ein paar Wochen für die Vorbereitung, das eine oder andere würde ich vielleicht doch noch erleben wollen.)
imgew
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