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Date Posted: Thursday, 29.12.2005; 23:28
Author: SallySue
Subject: @ferdy / Die Klippen...
(zu: Perlen am Wegesrand)
Ach ferdy… ich weiß nicht, ob ich einen Schritt weiter bin als Du. Ich weiß, dass ich immer schon extreme Schwierigkeiten hatte und dass ich seit 3 Jahren die Hölle durchmache. Und ich finde Stück für Stück Wege da raus…
Ich bin früher auf der einen Seite der Klippe gestanden und hab nur den Ort auf der anderen Seite gesehen zu dem ich wollte. Ich bin einfach drauf los gelaufen und bin jedes Mal nach unten gestürzt. So oft bis ich keine Kraft mehr hatte. Jetzt habe ich langsam begriffen, dass ich die Sache anders angehen muss. Ich bin wie jemand, der eine Expedition plant, der sich einen Schritt nach dem anderen vornimmt und sich voll und ganz nur auf diesen einen Schritt konzentriert, als wenn es die letzte Tat in meinem Leben wäre. Für diese eine Aufgabe überlege ich mir die beste Lösung und versuche an nichts anderes zu denken. Es entseht eine Strategie wie ich den Abgrund runterklettern kann, dann wie ich durch eventuelles Wasser komme, vielleicht die Wasserschlange besiege und dann die Klippe wieder raufkomme. Seltsamerweise habe ich festgestellt, dass ich nicht mehr so viel Angst habe, wenn ich mich nur auf das Abenteuer konzentriere, das gerade vor mir liegt und darauf vertraue, dass ich auch für das nächste eine Lösung finde.
Ich bin mir nicht ganz sicher wie Du das mit dem „Akzeptieren und Einrichten“ meinst. Wenn Du das auf die äußeren Umstände beziehst, dann irrst Du dich. Ich will mein Leben oder keines.
Deswegen war es für mich auch immer wieder ein Balanceakt zwischen Leben und Tod. Ich habe keine Lust mehr auf Leiden, Betrug oder Anpassung.
Ich hab nur verstanden, dass ich mich bewegen muss um irgendwo anzukommen. Vor allem nicht irgendwo, sondern bei dem Leben, welches ich führen möchte. Und ich versuche jeden Tag mich auf´s Neue zu motivieren, mir vor Augen zu führen, wo ich hinmöchte und was ich brauche. Auch wenn mich das jedes mal wieder so viel Überwindung und Kraft kostet und ich auch immer wieder Durchhänger habe. Wie ein alter Motor, der nicht richtig in Fahrt kommt, der abkühlt und immer wieder Startschwierigkeiten hat. Aber zumindest bin ich bereit die Kraft aufzuwenden, aus meiner Position aufzustehen und mich nach vorne zu bewegen, wenn die Richtung stimmt und ich mich auf MEIN Ziel zubewege.
Akzeptiert und eingerichtet habe ich mich in der Hinsicht, dass ich nicht mehr mit dem Kopf durch die Wand will und nach Lösungen suche, die mich zu dem führen was ich will und was ich bin. Die Schwierigkeit besteht ja auch immer darin die Erkenntnis in die Tat umzusetzen (und oft auch überhaupt erst zu einer Erkenntnis zu gelangen).
Ich habe das Glück, dass ich auf meinem langen Weg nun endlich auf Menschen gestoßen bin, die mir auch wirklich helfen können. Gerade auch weil es mir körperlich seit Jahren nicht besonders gut geht. Ich kann nur sagen… dem eigenen Licht folgen und so lange suchen bis man ein gutes Gefühl hat. Nicht aufgeben. Das ist schwer, ich weiß. Das kann man auch nur, wenn man weiß das richtige Ziel im Visier zu haben.
Ich bin im eigentlichen Sinne wirklich kein religiöser Mensch. Aber ich kann nun auch sagen, dass ich nicht ganz alleine bin, dass ich begleitet werde – auch wenn mir das oft nicht bewusst ist. Ich habe die echte Chance den Belast meiner Kindheit von mir zu werfen und wirklich zu heilen. Trotzdem fällt mir der Weg in dieser Welt immer noch sehr sehr schwer.
Machen wir uns nichts vor… ein unvollendetes, fehlendes oder rissiges Fundament ist wirklich ein schwerer Schaden. Jeder, der das leugnet, kennt die Schwierigkeiten und den Schmerz nicht. Leider können wir die Vergangenheit nicht mehr zurückdrehen, aber wir können etwas in der Gegenwart tun. Wir können anfangen die Ecken und Stellen, durch die es pfeift, zu schützen …und ja… wenn wir es uns erlauben, können wir diese Stellen sogar kitten, reparieren und schließen. Leider sind wir nun erwachsen und unsere Eltern können es nicht mehr für uns tun. Leider ist auch die Hoffnung, dass andere Menschen diese Funktion übernehmen eine Illusion und führt irgendwann immer in ein Fiasko.
Und ferdy, glaube mir… Geduld ist alles andere als eine Stärke von mir. Ein Lieblingssatz von mir ist: „Wenn ich früher Geduld gehabt hätte, wäre ich jetzt schon weiter…“ ;o)
Bis mir klar wurde, dass gerade meine Ungeduld meinen Fortschritt gebremst hat. Ein guter Freund sagte mir mal „Gehe langsam wenn Du schnell sein willst.“ Das habe ich mir zu Herzen genommen und ich mache es mir immer bewusst wenn meine Pferde wieder zum x-ten mal mit mir davon galoppieren.
Wenn man sein Ziel nicht aus den Augen verliert und sich gelassen und konsequent darauf zubewegt, kommt man viel schneller dort an. Man kommt vor allem überhaupt dort an... was ich mit Ungeduld inzwischen ernsthaft anzweifle. Zumindest wenn ich meine eigenen Erfahrungen so summiere.
Zum Thema „Gefunden werden…“
Ich weiß es klingt doof… Du kannst erst gefunden werden, wenn Du nicht mehr unbewusst erwartest gefunden zu werden. Alles klar? Oder Verwirrung komplett? ;o)
Ich wünschte ich könnte Dir das Licht halten, damit Du ein kleines Stück deinen Weg erkennen und ein Fünkchen Hoffnung erahnen kannst. Wenn Du mal in einem Kampf eine Lanze brauchst, dann gib mir Bescheid. Vielleicht hab ich genau die, die Du brauchst.
Das gilt auch für die anderen hier im Forum.
Schließen wir das alte Jahr ab und überlegen wir uns was wir im neuen Jahr von unserem Leben erwarten.
Ich wünsche Euch viel Kraft, dann auch die ersten Schritte zu tun, um Eure Ziele und Wünsche in die Tat umzusetzen. Denn das sind die Schwersten.
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