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Date Posted: Thursday, 12.05.2005; 9:05
Author: m.
Subject: Nur ein Individuum
In reply to: hartmut 's message, "Nur eine von vielen Tausend" on Tuesday, 10.05.2005; 22:14

hallo hartmut,

sicher gebe ich dir recht, wenn du sagst es wäre sinnvoller das überhaupt nicht zu erwähnen.... aber es wurde nun mal in dem artikel geschrieben....

und damit fangen für mich die fragen an.... entspricht ein solcher journalismus noch der würde des menschen?.... auch wenn es eine oftmals leider abgedroschene floskel ist.... es ist das einzige grundrecht, welches wir nicht mit dem tod verlieren....

und kann es nicht auch sein, dass der "Ekel" (wie du schreibst) und die gefühlskälte in unserer heutigen gesellschaft gerade daher rührt, dass uns solche artikel der fähigkeit berauben mit solch einer verzweifelten person anteilnahme und mitleid zu empfinden?

weißt du, ich habe da halt andere erfahrungen.... zugegeben, auf dem dorf und das noch in der alten ddr.... als meine großmutter in einem biblischen alter verstarb.... ich konnte überall eine anteilnahme an dem sterben und dem tod spüren.... und als dann die totenglocke läutete und (für mich) fremde menschen einfach stehen blieben, den hut absetzten und kurz ihrer gedachten.... da sind mir einfach die tränen gelaufen, denn ich spürte, dass sie es ernst meinten....

und desgleichen bei der beerdigung.... das ganze dorf war auf den beinen.... der pfarrer hat keine seiner üblichen 08/15-reden gehalten, sondern aus dem stegreif einen sehr bewegenden abschied zelebriert.... und auch da war von allen die trauer und das abschiednehmen irgendwie fast greifbar.... in würde, mit respekt und ich glaube auch ein bisschen liebe.... dieses gefühl hatte schon eine tröstende wirkung....

und wie sah das kontrastprogramm (verzeih mir bitte den ausdruck in diesem zusammenhang) aus?.... ca. 20 jahre später.... zugegeben, diesmal in der stadt und es war die beerdigung meines vaters.... und als er starb, da waren nur wir kinder und meine frau da.... es war ein kalter raum in einem krankenhaus und es gab auch keine totenglocke und wohl auch kein gedenken.... aber eine kalte leichehalle, ein gelangweilter pfarrer und eine 08/15-rede, bei der ich mich gefragt habe, was sie eigentlich mit dem menschen zu tun hatte (geld wollte er trotzdem dafür haben)....

und dann der weg zum grab.... ein paar wenige leute, eher im kalten nieselregen frierend.... ein paar lapidare worte.... dafür aber natürlich ein berg voller kränze und gestecke.... und wie ich von dort weggegangen bin, da war ich einfach nur leer, innerlich frierend und es blieb einfach der wunsch nach trost und wärme, aber es war niemand da.... ist das alles wofür wir leben und sterben?.... ist das unsere würde?

hm, ich glaube, ich bin eben etwas vom thema abgekommen.... aber das waren so die dinge, die mir bei unserem disput so durch den kopf gingen.... ich mache wohl besser mal schluß mit dem post....

liebe grüße an euch zwei beide....

m.

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