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Date Posted: Monday, 17.08.2009; 13:29
Author: exit
Subject: Langstrecke 2009
In reply to: exit 's message, "we like to bike" on Thursday, 23.07.2009; 20:20

Nachdem ich nach den 260 km letztes Jahr das Gefühl hatte, dass noch mehr drin ist, und mich das nun doch etwas gewurmt hat, die 300 knapp verpasst zu haben, wollte ich dieses Jahr die Chance ergreifen. Am Freitag um 5.20 Uhr losgefahren, früher als letztes Jahr, um am Ende nicht wieder so in die Dunkelheit reinzukommen. Ich bin wieder am Kanal hin- und hergefahren, in Etappen zwischen 60 und 30 km.

Geworden sind es dann doch "nur" 260 km, mehr ging einfach nicht. Es ist nicht gut gelaufen, ohne dass ein bestimmter Grund dafür auszumachen gewesen wäre. Ich habe wohl weniger trainiert als im letzten Jahr, und später mit dem Training angefangen (der Winter war ja sehr lang gewesen). Dass ich zu wenig trainiert habe, glaube ich aber eher nicht. In den letzten Wochen habe ich jedes Wochenende eine 100km-Tour gemacht, einmal bin ich 130 km gefahren, ohne Probleme.

Am Freitag ist mir nach ca. 100 km zunehmend schwummrig geworden. Bei meiner nächsten Pause an meinem Rastplatz am Hafen R., da hatte ich 130 km auf dem Zähler, musste ich erwägen, abzubrechen, was eine ziemliche Enttäuschung wäre. Ich habe mich k.o. gefühlt, und mir war das Risiko bewusst, in einem solchen Zustand weiterzufahren, mit eingeschränkter Reaktionsfähigkeit, Schwindel und dem Gefühl, neben sich zu stehen. Ich habe meine Arme vor mir am Lenker gesehen und hatte das Gefühl, dass die nicht zu mir gehören. - Außerdem hatte ich Angst, dass sich mein Zustand weiter verschlechtert, so dass ich nicht mehr in der Lage bin, nach Hause zu fahren. 20 km können da zur Unendlichkeit werden.

Ich war am Tiefpunkt. Selbstzweifel haben an mir genagt. Ich habe mich gefragt, ob ich mich mit dem Radfahren nicht völlig in etwas verrannt habe. Ich sitze hier total fertig im Wald, das Fahrrad neben mir. Muss das sein? Was soll das eigentlich?

Habe mich entschieden, erstmal doch weiter zu fahren, in gemäßigtem Tempo. Nach einigen Kilometern habe ich mich etwas besser gefühlt, zwar nicht gut, aber doch so, dass mir wenigstens 200 km wieder machbar schienen. Damit könnte ich zufrieden sein. 200 ist eine magische Grenze. Weniger wäre gescheitert.

Desweiteren haben mich während der gesamten Tour Verdauungsprobleme geplagt. Erst Verstopfung - ich hatte dauernd das Gefühl, scheißen zu müssen, konnte aber nicht. Sowas beeinträchtigt das Befinden nicht unerheblich, verstopft fühlt man sich richtig unfit. Nach ca. 200 km habe ich Darmkrämpfe bekommen. Ja, das macht Spaß, mit Darmkrämpfen Rad zu fahren. Zudem ist die Strecke nicht so beschaffen, dass man überall ungestört austreten kann. Als der Darmentleerungsdrang akut geworden ist, habe ich es noch rechtzeitig zu einer unbeobachteten Stelle im Wald geschafft. Nach so vielen Kilometern Fahrrad fahren ist es enorm anstrengend, in der Hocke zu kauern...

Danach auf der Weiterfahrt hatte ich weiterhin Darmkrämpfe, die nur langsam nachgelassen haben. Trotzdem ich nun die 200 km geschafft und schon überschritten hatte, wollte ich noch nicht aufhören. Hatte die 300 noch nicht ganz aufgegeben, wollte mir aber zumindest so viele Kilometer wie möglich herauswürgen, wenn ich schonmal dabei bin. Nochmal einen Radmarathon veranstalten werde ich in diesem Sommer nicht.

Es hat sich dann ergeben, dass ich bei 260 km beendet habe. Damit hatte ich meine Vorjahres(rekord)leistung wieder erreicht. Es ist dunkel geworden, und ich hatte dann auch wirklich keinen Bock mehr, noch weiter zu fahren.


Schade, dass ich nicht die Zahl 300 präsentieren kann. Ich war voll überzeugt gewesen, "Ich fahre heute 300!". Dafür, dass es so schlecht gelaufen ist, sind 260 jedoch auch eine rekordmäßige Leistung. Ich habe damit alles herausgeholt, was an dem Tag rauszuholen war. Es war die härteste Langstreckentour bis jetzt. Alle Fahrten nach W. (gut 200 km) und die 260km-Tour letztes Jahr waren leichter.

Wenigstens hatte ich diesmal genug zu essen (nachdem ich letztes Jahr bei der Rekordfahrt die letzten 50 km gehungert habe). Ich habe mir für die Verpflegung etwas Neues einfallen lassen: einen Rucksack mit Esswaren mit einem Seil an einen Baum binden. Den Baum habe ich mir extra vorher ausgesucht: versteckt, aber leicht zugänglich im Wald am Hafen R., da, wo ich auch meine Pinkelstelle habe. Am Anfang der Tour habe ich den Rucksack hingebracht, und am Ende, als ich das letzte Mal dort vorbeigefahren bin, wieder mitgenommen. Ständig mit dem Rucksack am Rücken zu fahren, ist nicht praktikabel: der stört beim fahren, und drückt mit zusätzlichem Gewicht auf den Sattel, verstärkt damit Sitzbeschwerden. Bei einer längeren Tour geht das nicht. - Versorgung mit Wasser wie gehabt an der Wohnwagenzapfstelle am R.see.

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