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Date Posted: 23:15:11 01/18/03 Sat
Author: Jantar
Subject: Re: Down down down - Miss Alice Schwarzer, Deutschlands intellektueller Abstieg mit Rechts
In reply to: Sukia 's message, "Down down down - Miss Alice Schwarzer, Deutschlands intellektueller Abstieg mit Rechts" on 15:06:42 09/03/02 Tue

Ach welch schönes Weltbild ... einfach einteilen in Schwarz und Weiß, Gut und Böse, Links und Recht.... und die Welt ist in Ordnung, zumindest für die einfacheren Gemüter.

Jantar

>Ihr Arbeitscredo formulierte Alice Schwarzer 1985 so:
>Es ging und
> geht mir um einen
>Journalismus, der seine politische Funktion
> transparent macht und bewußt
>erfüllt. Darf man unterstellen, daß sie
> diese Phrase, hereingeweht
>aus einer sagenhaft banalen Medienkritik,
> die mal gräßlich in Mode war,
>als die beteiligten Kritiker noch
> vergeblich um einen Platz am
>Fleischtrog anstanden, ernst gemeint
> hat? Mit Leidenschaft? Dann
>dürfte ihr Riefenstahl-Stück getrost als
> Abschied und Überwindung
>dieser Maxime zu werten sein, bewußt-,
> ja besinnungslos seiner
>politischen Funktion - der zur forcierten
> Normalisierung Deutschlands -
>, transparent allein in seinem
> Bemühen, den Frauen, die noch
>"Emma" lesen, allen Ernstes eine
> fanatische Herrenmenschin als
>Vorbild zu empfehlen. Einen
> Journalismus gelobte
>Schwarzer 85, der sich gegen die Lüge von der
> Objektivität wendet und damit
>die Spielregeln bricht, die nur denen
> nutzen, die sie aufgestellt
>haben. Heute, als gefragter Talkshowgast,
> Quizclown, gleich zwiefach
>Biographierte, Karnevalsprinzessin und
> Verdienstkreuzträgerin, als
>Journalistin also, die nach allen Regeln
> mitspielt und gar nicht daran
>denkt, ein System zu verändern, das
> eben nicht so ist, wie es
>ist, nur weil es den Männern dient, sondern
> vor allem weil der
>Kapitalismus, der alte Hermaphrodit, es so
> braucht, heute plädiert sie
>im Umgang mit einer Nazi-Ikone für einen
> wirklich offenen Blick und
>genaue Kritik - die objektive Geste, die in
> der Tat eine Lüge ist,
>regiert die Riefenstahl-Hommage derart rigid,
> daß kein Satz darin vorkommt,
>der nicht verkitscht wäre,
> schönredete, verleugnete oder
>kurzerhand fälschte.
>
> Mögen einige der vielen
>Dummheiten und Dreistigkeiten im neueren
> Werk Alice Schwarzers noch zu
>"entschuldigen" sein durch die
> objektiven Bedingungen der
>bürgerlichen Medien, denen sie sich mit
> Haut und Haar ergeben hat,
>kann am Titelstück der Januar-"Emma"
> freilich kaum ein Wort als
>bloßes Produkt der allwaltenden
> Medienmaschine gerechtfertigt
>werden. Denn Schwarzer unterläßt
> das, was doch das mindeste
>ist, um einen Unterschied des
> bürgerlichen Journalismus von
>offener Demagogie noch markieren zu
> können: eine Recherche, die
>den Namen bloß entfernt verdient hätte.
> Offenbar über kein anderes
>Material verfügend als den Begleitband
> zur Potsdamer Schau (Leni
>Riefenstahl, Henschel Verlag, Berlin
> 1998, 250 Seiten, 59,90
>Mark), tut Schwarzer so, als wisse sie
> mehr als dessen Autoren und
>unterschlägt leichthin, was sie daraus
> erfahren hat, ihr jedoch
>nicht in den Kram paßt. Die großteils solid
> bis vorzüglich gearbeiteten
>Essays des Buches, die Akribie und
> Quellensorgfalt, die zumal
>Claudia Lenssen und Felix Moeller in
> biographischen
>Angelegenheiten der Riefenstahl walten lassen, sind
> Schwarzer so unangenehm, ja
>ärgerlich, daß sie, die kein plattes
> Psychogeseich ausläßt, um
>ihre Leni weißzuwaschen, Lenssens
> hochpräzisen und nüchternen
>Aufsatz zu "Leben und Werk" einer
> unterschwelligen
>Voreingenommenheit und permanenten
> Psychologisierung zeiht.
>Schwer zu sagen, was hier widerlicher
> anmutet: die Denunziation der
>Konkurrentin oder die schamlose
> Unredlichkeit des Verfahrens.
>(Die "Bild"-Zeitung, die für bestimmte
> charakterliche Dispositionen
>durchaus einen Riecher hat, folgte,
> soviel ist nun klar, nicht
>nur reklametechnischen Erwägungen, als sie
> Schwarzer in ihre
>"Kulturpreis"-Jury berief.)
>
>

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