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Date Posted: 17:01:03 09/01/02 Sun
Author: Geheimbünde
Subject: Re: vortrag über knigge die illuminaten
In reply to: fichtel 's message, "vortrag über knigge die illuminaten" on 14:31:10 09/01/02 Sun

Adam Weishaupt

In seinem "Pythagoras oder Betrachtungen über die geheime Welt- und Regierungskunst" (Frankfurt und Leipzig 1790) erklärt er als die Aufgabe der Verbindung, die ihm vorschwebt, "selbstdenkende Menschen aus allen Weltteilen, von allen Ständen und Religionen, unbeschadet ihrer Denkfreiheit, trotz aller so verschiedenen Meinungen und Leidenschaften, durch ein gegebenes höheres Interesse in ein einziges Band dauerhaft zu vereinigen, sie dafür glühend und auf den Grad empfänglich zu machen, dass sie in der größten Entfernung als gegenwärtig, in der Unterordnung als Gleiche, dass viele wie ein Einziger handeln und begehren und aus eigenem Antrieb, aus wahrer Überzeugung von selbst tun, was kein öffentlicher Zwang, seit Welt und Menschen, bewirken konnte; eine solche Gesellschaft ist das Meisterwerk der menschlichen Vernunft, in ihr und durch sie hat die Regierungskunst ihre höchste Vollkommenheit erreicht". Und gegenüber Knigge, der ein Hauptbeförderer der Verbindung werden sollte, erklärte Weishaupt 1780,: "man wolle durch die feinsten und sichersten Mittel den Zweck erlangen, der Tugend und Weisheit in der Welt über Dummheit und Bosheit den Sieg zu verschaffen, die wichtigsten Entdeckungen in allen Fächern der Wissenschaft zu machen, die Mitglieder der Verbindung zu edlen, großen Menschen zu bilden und diese dann den gewissen Preis ihrer Vervollkommnung auch in dieser Welt schon zu sichern, sie gegen Verfolgung, Schicksal und Unterdrückung und dem Despotismus aller Art die Hände zu binden". Die Veranlassung der Stiftung des Illuminaten-Bundes erzählt Weishaupt in seinem Pythagoras folgendermaßen: "Herr H., ein Protestand aus H., der ein Mitglied meiner Gesellschaft gewesen, hat in mir den ersten Gedanken zur Stiftung des Illuminaten-Ordens veranlasst. [...] Im Jahr 1773 kam Herr H. nach Ingolstadt und ließ mich vermuten, dass er Freimaurer sei und dass es echte und unechte Logen gäbe, welche schwer zu unterscheiden seien. Von diesen nun echten Logen träumte ich mir ein Ideal. [...] Während nun mein Streben dahin gerichtet war, Mitglied einer Freimauerloge zu werden, erhielt ich zu Ende des Jahres 1773, gleich nach der Aufhebung des Jesuitenordens, auf der Universität zu Ingolstadt den Lehrstuhl des geistlichen Rechts, welchem die Jesuiten seit 90 jahren ununterbrochen vorgestanden hatten. Von dieser Zeit an, wurde ich der Gegenstand ihres Hasses und ihrer Verfolgung, sie machten im Jahr 1774 ein schändliches Komplott, um mich von jenem, ihrem System so wesentlichen Lehrstuhl zu entfernen. Von dieser Zeit an sind mir die Jesuiten und ich ihnen auf das äußerste gehässig geworden. [...] Da ich nun einen Rückhalt und Unterstützung nötig hatte, so hoffe ich solche in der Freimaurerbrüderschaft zu finden. [...] Die Aufnahme in eine Freimaurerloge war mir schon damals zugesichert, aber wegen der für mich zu großen Reisekosten und Aufnahmegebühren hatte ich sie aufgeschoben; dazu kam, dass das, was ich indess über diese Brüderschaft erfuhr, meine Erwartungen sehr herabgestimmt hatte. Daher dachte ich bei mir selbst: wie wäre es, wenn du selbst Hände an ein neues Werk legst? (...) Ich machte mich sogleich an die Arbeit und entwarf die allgemeinen Statuten, welche ich, ehe ich auf den Namen "I" fiel, den Namen "Statuten der Perfektibilisten" gab. Die erste Gründung nahm am 1. Mai 1776 ihren Anfang; die ersten Mitgleider, und gerade diejenigen wurden aufgenommen, die ich durch diese Anstalt retten und ihrem bevorstehenden Verderben entreißen wollte."

Weishaupts Problem war, dass die Mitglieder leider nicht seinen Erwartungen entsprachen und einige wie er meinte von bösem Ruf und nicht zu großer Sittlichkeit" seien. Es wurde versucht, diese wieder zu entfernen, da sie die wenigen rechtschaffenden, gebildeten und gelehrten Mitglieder in ihrer Wirksamkeit behinderten. Noch ein Problem für den Aufbau des Ordens war, dass Weishaupt an den gesellschaftlichen Formen der Jesuiten, von denen er ja erzogen und stark beeinflusst war, festhielt, die aber leider dem Ideal des Bundes, das ihm vorschwebte, zuwieder lief und daher unausführbar von den Bundesmitgliedern war.

Die Statuten beginnen folgendermaßen:
"Zur Beruhigung und Sicherheit sowohl angehender, als wirklicher Mitglieder dieser Verbindung und um allen unbegründeten Mutmaßungen zuvorzukommen, erklärt der Orden vor allem, dass er keine für Staat, Religion und guten Sitten nachteilige Gesinnung oder Handlung zum Zwecke habe, noch an den Seinen begünstigt. Seine ganze Bemühung geht bloß allein dahin, den Menschen die Verbesserung ihres moralischen Charakters interessant zu machen, menschliche und gesellschaftliche Gesinnung einzuflößen, boshafte Absichten zu hindern, der bedrängten und notleidenden Tugend gegen das Unrecht berzustehen, auf die Beförderung würdiger Personen zu denken und noch meistens verborgene nützliche Kenntnisse allgemeiner zu machen. Dies ist der ungeschminkte Zweck des Ordens, weiter steht selber auch für nichts". Weishaupt versuchte erst, da er im katholischen Süden war, die Katholiken, die seit langem unter der geistigen Herrschaft der Jesuiten standen, mit seinen Bestimmungen anzusprechen. Diese Bestimmungen waren aber für die Kreise, die diesem Einfluss nicht ausgesetzt waren, eher anstößig, deswegen überlegte sich Weishaupt, wie er die protestantischen Kreise zum Mitwirken bewegen könnte. 1779 wurde daher der Marquis v. Costanzo nach Frankfurt am Main abgeordnet, wo er am 10. Januar 1780 zum ersten mal in der Unionsloge erschien, und zwar als Bevollmächtigter seiner Loge. In Frankfurt lernte Costanzo den jugendlich-enthusiastischen Freiherrn von Knigge kennen. Knigge glaubte, den Illuminaten-Bund als längst bestehend und ausgebildet, obwohl dieser erst dabei war, sich zu formieren. Weishaupts Briefe an ihn steigerten noch seine Begeisterung. Nachdem Knigge immer mehr von Weishaupt erfahren wollte, musste ihm dieser gestehen:, dass der Orden eigentlich noch gar nicht, sondern nur in seinem Kopfe da wäre; dass nur die untere Klasse, die Pflanzschule, in einigen katholischen Provinzen errichtet sei, er aber zu den höheren Graden die herrlichsten Materialien gesammelt habe; dass er ihm, als dem einzig brauchbaren Mitarbeiter, den er bis jetzt gefunden hätte, alle seine Papiere mitteilen wolle, mit denen er das ganze ausarbeiten, nach seinem Gutdünken umschaffen und umändern solle, auch die Stiftungsgeschichte so vielen von seinen Aufgenommenen, als er für nötig finden würde, mitteilen könne". 1781 reiste Knigge nach Bayern und durch seine Erfahrungen mit den einzelnen Mitgliedern, die sehr frei dachten und unterschiedliche Ansichten über Aufklärung hatten, arbeitete er seinem Versprechen gemäß das ganze Illuminaten-System bis zum Priester- und Regentengrad aus. Dabei versuchte er, so wie Weishaupt, sich auf das Freimaurertum zu stützen, von denen aber beide keine große Ahnung hatten und somit wurde das ganze System zu kompliziert.

Der Ursprung und die Idee von Weishaupt waren somit gleich durch die "Bürokratisierung" nicht mehr ausführbar. Knigge und Weishaupt zerstritten sich dann, weil Weishaupt, der Pedant und nüchterne Gelehrte keinen Geschmack an dem vielen bunten Flitterkram finden konnte, mit dem Knigge seine niedergelegten Gedanken aufgeputzt hatte. Knigge überflügelte irgendwann Weishaupt und da Weishaupt auch noch ein schlechter Menschenkenner war, zog er leider die falschen Schmeichler den verdienstvollen Mitgliedern vor. Die ersten Denunziationen begannen dann im Jahre 1783. Ein verworfener Kandidat der Loge, Buchhändler Strobl, war der erste, gefolgt von Prof. Westenrieder, die dem Bund Mangel an Patriotismus, Untätigkeit und Selbstsucht vorwarfen und öffentlich anzeigten. Das Ende ist bekannt.

Zusammengefasst aus:

"Die verborgene Welt der Geheimbünde" von Ulrich Rausch
Bechtermünz

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