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Date Posted: 07:36:27 12/05/04 Sun
Author: nina
Subject: schlaftabletten keine gute idee, heroin besser



ein freund von mir hat sich überraschend im september 2004 das leben genommen. mit schlaftabletten. als ich das einem bekannten erzählte, hat er mir beschrieben, wie der tod mit schlaftabletten verläuft und stark davon abgeraten. er ist selber im pflegenden bereich tätig und bildet sich zur zeit in der betreuung depressiver menschen fort. im rahmen dessen hat er eine arbeit über suizid geschrieben und sich u.a. mit den wirkungen der verschiedenen tötungsmethoden auseinandergesetzt. ich kann seine aussage fachlich nicht beurteilen, fand es aber einleuchtend, daher gebe ich das einfach mal so wieder:

barbirate sind ein nervengift, das nach und nach alle systeme im körper abschaltet. man wird zwar erstmal bewusstlos. aber wenn dann als letztes das atemsystem zum erliegen kommt, wehrt sich der körper, da er nicht sterben will und schüttet soviel adrenalin wie möglich aus. was zu einem bis zu 5 minuten andauernden, bewusst erlebten ertickungstod führt. also eher sehr stressig. was mich auch überrascht hat, ist, dass es bis zu 48h nach einnahme dauern kann, bis man stirbt.

seine empfehlung war heroin, da bei einer überdosis die leute es nicht mal mehr schaffen, sich die nadel aus dem arm zu ziehen.

soviel zu dem thema 'entspannter sterben'. wenn es stimmt, wundert es mich, dass es nicht bekannter ist. aber liegt vielleicht an der geringen gesellschaftlichen akzeptanz von suizid und dem unbehagen, 'empfehlungen zum sterben' zu verbereiten.

und jetzt etwas anderes:

gereon hat sich kurz vor seinem suizid noch einmal in den freitod-foren umgeschaut. daher gebe ich das jetzt hier rein, um auch mal die perspektive einer hinterbliebenen darzustellen. im folgenden der brief, den ich zu seiner beerdigung vorgelesen habe. vielleicht für den ein oder anderen ein anstoss, den eigenen suizid noch einmal in frage zu stellen.
___________________________________

gereon.

jetzt bist du tot. und hast es uns, hast es mich im vorfeld nicht wissen lassen, dass du darüber nachgedacht hast, dir das leben zu nehmen. ich habe mich seit deinem tod mit vielen menschen unterhalten. ich habe gelernt, dass jeder mensch ein universum ist und man immer nur einen kleinen teil kennt. ich habe durch die blicke der anderen etwas mehr über dich erfahren. ich habe mir über deinen tod gedanken gemacht. ein paar erzähle ich dir jetzt, hier.

ich habe verschiedene gefühle aufgrund deines todes. es gibt dinge, über dich ich traurig bin, dinge, über die ich mich ärgere und dinge, über die ich mich freue.

ich bin traurig, dass du tot bist und so verzweifelt warst, dass du nicht mehr leben wolltest. ich bin traurig und erschüttert, dass du das ausmass deiner verzweiflung und depression nicht mitgeteilt hast. ich glaube, das hätte deiner situation vielleicht etwas von dem schrecken nehmen können. ich bin traurig, dass du dich im letzten jahr immer weiter zurück gezogen hast und dein gefühl von einsamkeit gestärkt hast.

ich ärgere mich darüber, dass ich erst durch deinen suizid dinge über das thema depression und suizid erfahre, die ich sehr gerne vorher gewusst hätte. dass viele menschen sich während der besserung nach einer krise das leben nehmen. was die anzeichen von depressionen sind, die ich so nicht bei dir erkannt habe.

jetzt, da ich deinen tod erlebt habe, habe ich eine andere haltung zu dem thema. oder überhaupt erst eine haltung. wenn ich in zukunft bei einem menschen das gefühl haben werde, dass depression und suizid ein thema sein könnten, werde ich deutlicher auf sie zu gehen. und gleichzeitg darauf achten, sie nicht mit ratschlägen zu erschlagen, wie ich es auch ein bisschen bei dir getan habe, sondern erstmal versuchen, zu verstehen und zu akzeptieren, was sie bedrückt. um dann gemeinsam mit ihnen mögliche alternativen zu überlegen. ich denke, dass es nicht einfach ist, an einen depressiven menschen ran zu kommen. aber ich hätte gerne die gelegenheit gehabt, es intensiver bei dir versuchen zu können. mir ist klar, dass das alles einen suizid nicht verhindern muß, aber ich glaube, es kann anstöße geben, die dinge anders zu betrachten.

ich freue mich darüber, dass ich dich kennen gelernt habe und dass wir eine intensive zeit zusammen verbracht haben. dass wird uns nahe gekommen sind und schätzen gelernt haben. ich freue mich über die projekte, die du über ein jahrzehnt mitgeschaffen hast und die immer sehr inspiriend waren und sind.

ich kann dich gehen lassen. ich werde immer wieder an dich denken. und mich dann freuen, dass du gelebt hast. in liebe, m.

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