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Reporter ohne Grenzen Morde und Zensur 2009 Von Michael Hanfeld DruckenVersendenSpeichernVorherige Seite August: Gedenken in Berlin an die getötete russische Menschenrechtsaktivistin Natalja Estemirowa 30. Dezember 2009 Die Bilanz der Journalistenorganisation „Reporter ohne Grenzen“ für das Jahr 2009 fällt niederschmetternd aus: Die Gewalt gegen Journalisten hat deutlich zugenommen. Der Statistik zufolge, die „Reporter ohne Grenzen“ führt, sind in diesem Jahr mindestens 76 Journalisten bei ihrer Arbeit oder wegen ihres Berufes getötet worden. Das sind sechzehn mehr als 2008. Entführt wurden in diesem Jahr 33 Journalisten, zuvor waren es 29 gewesen. Auch die Zahl der Fälle körperlicher Gewalt gegen Journalisten nahm zu: 1456 Reporter wurden angegriffen, im Jahr zuvor waren es 929. Sprunghaft zugenommen hat auch die Zensur. Die Zahl der zensierten Medien ist von 353 auf 570 gestiegen. 157 Journalisten mussten ins Exil gehen, weil sie in ihrer Heimat bedroht wurden. Die Zahl der ermordeten Journalisten hat vor allem wegen eines Massakers zugenommen, das sich Ende November auf der philippischen Insel Mindanao ereignete. Bei dem Massenmord an Anhängern und Begleitern eines Gouverneurskandidaten wurden im Süden des Landes 54 Menschen getötet, dreißig von ihnen Journalisten. Die Polizei nannte einen Führer der Ampatuan-Sippe, die eng mit der philippinischen Präsidentin Arroyo verbündet ist, als Hauptverdächtigen für das Massaker. Besonders gefährliche Länder sind zudem Somalia – dort wurden neun Journalisten getötet, Pakistan (fünf Todesfälle) und Russland (fünf Todesfälle). Google AnzeigenHaben Sie Herzprobleme? Warten Sie nicht bis zum Notfall. Nutzen Sie ein eigenes EKG. www.shl-telemedicine.de American Express Gold Gönnen Sie sich eine Gold Karte: Service weltweit rund um die Uhr! www.amex-kreditkarten.de Zahl der Festnahmen von Internetnutzern verdreifacht In Iran, dessen Präsident Mahmut Ahmadineschad „Reporter ohne Grenzen“ als einen der vierzig größten Feinde der Pressefreiheit führt, seien bis heute – da die Demonstrationen der Opposition und die Unruhen anhalten – viele Journalisten wegen ihrer kritischen Berichte vor und nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Haft und seien Verhören, Schikanen und Misshandlungen ausgesetzt. Auch Blogger würden häufiger festgenommen. In Tunesien ist der Journalist Taouflik Ben Brik kurz nach der Wiederwahl des Präsidenten Ben Ali verhaftet worden. „Über einen bewaffneten Konflikt zu schreiben erweist sich als immer gefährlicher für Journalisten“, sagte der Generalsekretär von „Reporter ohne Grenzen“, Jean-Franois Julliard, dementsprechend: „Sie geraten in die Schusslinie, werden gezielt ermordet oder entführt. Aber auch die Berichterstattung während Wahlperioden ist in einigen Ländern eine riskante Arbeit, die im Gefängnis oder Krankenhaus enden kann.“ Die Zahl der Festnahmen von Journalisten sei zwar um ein Siebtel (von 673 auf 573) zurückgegangen, dafür habe sich die Zahl der Festnahmen von Bloggern und Internetnutzern fast verdreifacht (151 nach 59 Festnahmen im Jahr 2008). Insbesondere die Regierungen Chinas, Irans oder Aserbaidschans verfolgten diejenigen, die im Internet publizieren. Das Internet werde mittlerweile in sechzig Ländern zensiert. Zum Thema Politiker und Journalisten bei Massaker getötet Ahmadinedschads Vize tritt zurück Gegen staatliche Verfolgung: die „Europäische Charta für Pressefreiheit“ Oliver Maria Schmitt Ein Gespräch mit Michael Rediske von „Reporter ohne Grenzen“ Amerikanisch-iranische Journalistin Roxana Saberi aus Haft entlassen Verfolgte Journalisten 2009 76 Journalisten getötet 33 Journalisten entführt 573 Journalisten festgenommen 1456 Journalisten angegriffen 570 Medien zensiert 157 Journalisten geflüchtet 1 Blogger im Gefängnis gestorben 151 Blogger festgenommen 61 Blogger angegriffen 60 Länder mit Internetzensur Text: F.A.Z. |
ROG-Bilanz 2009 30.12.09 76 Journalisten getötet / stärkere Repressionen gegen Kriegs- und Wahlberichterstatter / mehr Festnahmen von Bloggern Gewalt und Repressionen gegen Journalisten haben im Jahr 2009 zugenommen. Das ist das Ergebnis der Jahresbilanz 2009 von Reporter ohne Grenzen (ROG), die ROG am 30. Dezember veröffentlicht hat. So sind mindestens 76 Journalisten in den vergangenen zwölf Monaten während ihrer Arbeit oder wegen ihres Berufs getötet worden. Das sind 16 mehr als im Jahr 2008. Eine größere Zahl von Journalisten wurde in diesem Jahr auch körperlich angegriffen oder bedroht. 1456 Medienmitarbeiter wurden in diesem Jahr Opfer dieser Form von Gewalt, im Vorjahr waren es noch 929. Ebenfalls deutlich erhöht hat sich die Zahl der zensierten Medien (2008: 353, 2009: 570). 33 Medienmitarbeiter wurden in diesem Jahr entführt (2008: 29). Die um fast 27 Prozent erhöhte Todesrate unter Journalisten ist vor allem eine Folge des Mordes an 30 Journalisten auf der philippinischen Insel Mindanao im November 2009. Es ist das größte von ROG jemals dokumentierte Massaker an Medienmitarbeitern an einem Tag. Besonders gefährliche Länder für Journalisten waren außerdem Somalia (9 Todesfälle), Pakistan (5) und Russland (5). In Kriegen und im Umfeld von Wahlen waren Journalisten im Jahr 2009 besonderen Bedrohungen ausgesetzt. „Über einen bewaffneten Konflikt zu schreiben erweist sich als immer gefährlicher für Journalisten: Sie geraten in die Schusslinie, werden gezielt ermordet oder entführt. Aber auch die Berichterstattung während Wahlperioden ist in einigen Ländern eine riskante Arbeit, die im Gefängnis oder im Krankenhaus enden kann“, sagt ROG-Generalsekretär Jean-François Julliard anlässlich der Veröffentlichung der Jahresbilanz 2009. Die 30 Journalisten auf der philippinischen Insel Mindanao wurden im November ermordet, weil sie über die Wahlkampagne eines Kandidaten für das Gouverneursamt berichten wollten. In Tunesien wurde der Journalist Taouflik Ben Brik einige Tage nach der Wiederwahl von Präsident Ben Ali verhaftet. Im Iran werden viele Journalisten bis heute für ihre kritischen Berichte vor und nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Juni mit Verhören, Gefängnisstrafen, Schikanen und schweren Misshandlungen bestraft. Die weltweite Zahl der Festnahmen von Journalisten ist um etwa ein Siebtel zurückgegangen. Dafür hat sich die Zahl der Festnahmen von Bloggern und Internetnutzern fast verdreifacht. Viele autoritäre Regierungen wie die chinesische, die iranische oder aserbaidschanische befürworten harte Strafen für Internetnutzer, weil sich das World Wide Web zu einem Motor demokratischer Proteste entwickelt hat. Zum ersten Mal veröffentlicht ROG in seiner Jahresbilanz die Zahl von Journalisten, die in den vergangenen zwölf Monaten gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen: 2009 sind 157 Medienmitarbeiter ins Exil gegangen, weil ihr Leben oder ihre Freiheit bedroht wurde. „Unsere größte Sorge ist in diesem Jahr der massive Exodus von Journalisten aus repressiven Staaten wie dem Iran oder Sri Lanka. Die Behörden in diesen Ländern fördern häufig bewusst eine Flucht von Journalisten und Bloggern, um damit den Pluralismus der Meinungen und Kritik zu unterdrücken“, sagt Jean-François Julliard. Lesen Sie hier die ausführliche ROG-Jahresbilanz 2009. http://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/rte/docs/2009/Bila2009.pdf Pressekontakt: Anja Viohl Tel.: 030 202 15 10 - 16 presse@reporter-ohne-grenzen.de |