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Als Hagen erkrankte Die Grippeepidemie der Jahre 1918/19 DruckenVersendenSpeichernVorherige Seite 28. Dezember 2009 "Grippe kenne ich nicht!" Mit diesen Worten widersetzte sich Erich Ludendorff im Juli 1918 dem Drängen seiner Berater, die Operation "Hagen" in Anbetracht der dramatisch angestiegenen Zahl von Erkrankungen zu verschieben. Schließlich hoffte der Kopf der Dritten Obersten Heeresleitung, die Mittelmächte durch die Eroberung des strategisch wichtigen Eisenbahnknotenpunktes Reims dem "Endsieg" näherzubringen. Bekanntlich wehrten die Streitkräfte der Entente die letzte deutsche Offensive des Krieges nicht nur ab, sondern gingen - obgleich selber stark grippegeschwächt - zum Gegenangriff über. Auch die Regierungen in London, Paris und Rom bemühten sich, die Folgen der seit Mai 1918 in Europa grassierenden Grippeepidemie herunterzuspielen. Statt die Bevölkerung aufzuklären, erging man sich in wechselseitigen Schuldzuweisungen. Diese gipfelten in der Behauptung, bei dem Erreger handele es sich um eine von der Firma Bayer entwickelte Biowaffe, welche - in Aspirin verabreicht - die Entente schwächen sollte. Während die Bezeichnung Spanische Grippe den Eindruck erweckt, die Pandemie von 1918/19 habe ihren Ausgang von der Iberischen Halbinsel genommen, steht inzwischen fest, dass der Infektionsherd in den Vereinigten Staaten lag. In Kansas infizierten sich Menschen mit Schweine-Influenzaviren des Typs H1N1 und schleppten diese in die Ausbildungslager der Armee. Von dort brachten Soldaten das Virus in die Alte Welt. Wie Manfred Vasold nachweist, starben weltweit 25 bis 40 Millionen Menschen an der Seuche. Mangelernährung, Brennstoffmangel sowie katastrophale hygienische Bedingungen verschlimmerten den Krankheitsverlauf. Die Ärzte konnten den Erreger nicht bestimmen, so dass die Quacksalberei eine Spätblüte erlebte. Erstaunliches fördert auch das Kapitel über die Hysterie zutage, welche besonders in den Vereinigten Staaten viele Menschen ergriff. So wurden ein deutscher Geschäftsmann und ein Amerikaner vom Mob gelyncht, weil man sie der Spionage für das Deutsche Reich verdächtigte. Während Vasold die medizinischen Ursachen und die sozialen Folgen der Seuche klar herausarbeitet, kann man seinen politischen Schlussfolgerungen nicht immer beipflichten. Zu offenkundig sind die Widersprüche. Während er etwa die Seuche einerseits als "eine Teilursache für den deutschen Zusammenbruch deutet", betont er andererseits, dass alle kriegführenden Mächte gleichermaßen darunter litten. MANFRED NEBELIN Manfred Vasold: Die Spanische Grippe. Die Seuche und der Erste Weltkrieg. Primus Verlag, Darmstadt 2009. 142 S., 16,90 [Euro]. |