VoyForums
[ Show ]
Support VoyForums
[ Shrink ]
VoyForums Announcement: Programming and providing support for this service has been a labor of love since 1997. We are one of the few services online who values our users' privacy, and have never sold your information. We have even fought hard to defend your privacy in legal cases; however, we've done it with almost no financial support -- paying out of pocket to continue providing the service. Due to the issues imposed on us by advertisers, we also stopped hosting most ads on the forums many years ago. We hope you appreciate our efforts.

Show your support by donating any amount. (Note: We are still technically a for-profit company, so your contribution is not tax-deductible.) PayPal Acct: Feedback:

Donate to VoyForums (PayPal):

Login ] [ Contact Forum Admin ] [ Main index ] [ Post a new message ] [ Search | Check update time | Archives: [1]2 ]


[ Next Thread | Previous Thread | Next Message | Previous Message ]

Date Posted: 21:04:42 11/06/03 Thu
Author: Insomnia
Subject: Märchenstunde

Märchenstunde

Es war einmal ein Königreich, in dem lebte ein König mit seiner Königin fröhlich und zufrieden. Die beiden Töchter wuchsen prächtig heran und die Sonne strahlte mit dem ganzen Reich um die Wette. Viele glückliche Jahre vergingen...
Doch eines Tages geschah es: Der König wurde vermisst und schließlich tot aufgefunden, erdrosselt durch einen Strick, den er sich selbst in einer schäbigen Scheune umgebunden hatte. Das Volk war entsetzt, trauerte lange und viel um den guten König, und so geschah es, dass ein Meer aus Tränen und Trauer das Königreich in drei Reiche teilte: Das Reich der verwitweten Königin-Mutter, das der älteren Tochter und das Königreich der jüngeren Schwester. Da von den Reichen der Mutter und der älteren Tochter nicht viel bekannt ist, möchte ich von dem Reich der jüngeren Tochter erzählen:
Das Volk schien sich schnell gefangen haben, denn schließlich musste es irgendwann irgendwie weitergehen. So ging es wieder seinen Arbeiten nach, und der Alltag nahm Überhand, sodass die Bürger den Schmerz und die Trauer über ihren geliebten verlorenen König vergaßen. Doch sie bemerkten nicht, dass sie sich mit den Jahren immer mehr veränderten. Die Hälfte des Volkes wurde erwachsen, die andere Hälfte blieb, äußerlich wie auch innerlich, Kind. Einige Jahre ging dies sehr gut, doch eines Tages brach ein Streit zwischen den Erwachsenen und den Kindern aus, denn beide Seiten gaben sich die Schuld am Tod des verstorbenen Königs. Aus dem Streit wurde bald ein erbitterter Kampf und so kam es, dass die Kinder auszogen und ihr eigenes Reich dicht neben dem der Erwachsenen gründeten.
Von da an herrschte Krieg auf der einen Seite des Tränenmeers. Die Erwachsenen kämpften gegen die Kinder und diese wiederum bekämpften die Erwachsenen. Beide Völker bekriegten sich mit den gleichen Waffen, den gleichen Rüstungen sodass keiner von ihnen die Oberhand gewinnen konnte. Es gab Tausende von Toten, Verletzten, Verstümmelten auf beiden Seiten, doch dies schien beide Völker nur noch mehr anzustacheln, den Krieg für sich zu gewinnen...
Mit jedem Sonnenaufgang färbte sich die ehemals grüne Ebene, die nun als Kriegsschauplatz diente, rot von dem Blut der sterbenden Erwachsenen und Kinder, die sich ihre Schwerter gegenseitig kaltblütig und voller Hass in die Körper trieben, ein Pfeilhagel nach dem anderen surrte von den Steinmauern der beiden Burgen, bohrte sich durch Schilde und ungeschützte Körperstellen von Erwachsenen und Kindern, Äxte schlugen unzählige Köpfe von den Schultern, Morgensterne und Hämmer wurden durch die Luft geschwungen und zertrümmerten Knochen, Schreie des Schmerzes und des Todes erfüllten die Luft... Der Sonnenuntergang beendete nur für kurze Zeit das Gemetzel und das blutende Feld hatte ein wenig Zeit, sich zu erholen. Doch an jedem Sonnenuntergang schwamm es erneut im vergossenen Blut der kämpfenden Menschen...
Der Hass zwischen den verfeindeten Völkern war so groß, dass niemand bemerkte, dass jeder Krieger, egal ob Kind oder Erwachsener, ein Bild bei sich trug, eine Erinnerung an eine längst vergessene Zeit, an ein Leben voller Liebe, Geborgenheit und Sicherheit, ein Bild des ehemaligen Königs, der durch seine eigene Hand gestorben war – doch die Kinder dachten, die Erwachsenen hätten die Schuld für den Tod des Königs und die Erwachsenen glaubten wiederum, dass die Kinder dafür verantwortlich seien. Und so kämpfte jeder mit dem letzten Rest an Stolz, dem letzten Funken Liebe und dem letzten Bisschen Kraft – nur um den Tod des Königs zu rächen und die vermeintlich Schuldigen von der Welt zu tilgen...

Die Sonne geht nun unter, müde kehren die Krieger wieder in ihre Burgen zurück und warten auf den morgigen Sonnenaufgang... Denn dann wird der Krieg auf der immer blutenden Ebene wieder von neuem beginnen....

by Insomnia, 09.07.03

[ Next Thread | Previous Thread | Next Message | Previous Message ]


Replies:


[ Contact Forum Admin ]


Forum timezone: GMT+1
VF Version: 3.00b, ConfDB:
Before posting please read our privacy policy.
VoyForums(tm) is a Free Service from Voyager Info-Systems.
Copyright © 1998-2019 Voyager Info-Systems. All Rights Reserved.