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Date Posted: 13:32:32 12/01/03 Mon
Author: Soulcall / Traumfalke
Subject: Die Silberelbin-der nächste Teil (vorsicht lang)

Irgendwann an diesem Tag wendet Tinúviel genau in dem Moment, in dem Claennis sie ansieht, mit einer anmutigen Bewegung den Kopf in ihre Richtung. Die Amazone begegnet einem Blick, der seltsam brennend wirkt. Und Claennis weiß auf einmal, das der Blick nur das widerspiegelt, was in ihren eigenen Augen steht. Beide wenden schnell den Blick ab, verlegen sehen sie auf den Boden vor den Pferden. Tinúviel spürt ihr Herz schlagen, sehr viel schneller als normal und sie denkt an Lalaith, der im Wald geblieben ist. Doch sie spürt nichts. Sie spürt nicht mehr das Gefühl, das sie für ihre Verliebtheit in Lalaith gehalten hat. An seine Stelle ist etwas Neues getreten, Tinúviel fühlt sich, als würde sie auf der Stelle sterben, wenn sie nicht irgendetwas tut. Und doch mißachtet sie dies erstmal.

Einen Tagesritt sind sie noch von der Festung entfernt, als sie rasten müssen. Tinúviel macht gerade Feuer, als Claennis sie aufschreien hört. Sie eilt ans Feuer und sieht die Scherbe, die Tinúviel in die Hand geschnitten hat. Claennis holt einen Stoffstreifen, setzt sich vor Tinúviel und verbindet ihre Hand.
Rote Augen sehen in blaue, die schwarz umrandet sind, die Blicke versinken ineinander.. Tinúviels Hand hebt sich langsam und streicht über Claennis´s blondes Haar, leicht über die Wange und macht dort halt...Claennis hat Tinúviels Hand in ihrer, ihre Finger streichen sanft über die Hand. Die Gesichter sind nur wenige Zentimeter voneinander getrennt. Claennis nähert ihr Gesicht dem von Tinúviel, noch immer sind die Blicke in den Augen der jeweils anderen fixiert...als sich die Lippen gerade so berühren, leicht wie ein Hauch, zieht Claennis ihren Kopf zurück und läßt abrupt Tinúviels Hand los.
„Verzeiht, es tut mir leid.“ Sie steht auf und geht an den Waldrand, ihr Herz rast und ihre Hände zittern. Sie ist noch immer überwältigt von dem, was sie da eben in diesen paar Sekunden gespürt hat..doch ein altes, längst vergessen geglaubtes Gefühl regt sich tief in ihr wieder, sie erinnert sich an Kalyas zarte Lippen auf den Ihren. Tinúviel bleibt still sitzen, doch zittert sie genauso und versucht ihre Gefühle wieder unter Kontrolle zu bekommen.
Die Frauen legen sich schlafen, abwechselnd, eine hält immer Wache. Der Morgen bricht an. Auch an diesem Morgen reiten sie früh los, und am Abend erreichen sie erschöpft die Festung. Die Wachen schauen ungläubig, als sie Claennis erkennen und Red Dragon, der gerade auf dem Hof ist, fällt beinah von Dragadon, als er Claennis sieht. Voller Freude eilt er zu den Frauen. „Claennis, wie ist das möglich, oh ich freue mich so euch lebend zu sehen...“
Dragon kann es nicht fassen, die Amazone zu sehen, auch wenn sie um kein Jahr gealtert aussieht.
„Ich bin müde, Dragon, wir können später reden bitte...ist mein Quartier noch frei?“ Dragon nickt, auch wenn er sehr gerne mit Claennis gesprochen hätte. „Sie sieht noch aus wie damals..“ denkt er. Claennis lässt die Pferde in den Stall bringen. Außer Baby und Moonlight stehen dort noch der inzwischen recht alte Luzifer sowie auch die nicht mehr ganz junge Angel, sowie natürlich Dragons treues Pferd Dragadon. Dann nimmt Claennis Tinúviel mit in ihr Quartier. Es ist hübsch eingerichtet, Bilder von bekannten Künstlern verzieren die Wände. An einer anderen Wand hängt das alte Schwert, das Claennis von Durim gekauft hatte. Der Raum wird dominiert durch ein breites Bett, welches in der Mitte des Raumes steht. Die Baldachine sind in einem hellen Blauton gehalten und es lädt geradezu ein, sich darauf niederzulassen. Todmüde fallen die Frauen auf das Bett und schlafen ein.

Einige Stunden später erwacht Claennis. Und blickt erstaunt auf ihren Arm. Sie hat Tinúviel in den Arm genommen und die zierliche Elbin liegt dicht an sie gekuschelt. Claennis kann sich nicht verkneifen, ihren Kopf an Tinúviels Hals zu legen. Der feine Duft von Tinúviels Haut raubt ihr beinah den Verstand. Sanft gleitet sie mit den Lippen über den Hals der Elbin.. haucht sanfte Küsse darauf. Tinuviel erwacht halb und dreht sich so um, das Claennis´s Arm auf ihrer Hüfte liegt. Claennis holt hörbar Luft, ehe ihre zitternde Hand ganz leicht von der Hüfte Richtung Bauch wandert und schliesslich knapp unterhalb der Brüste verweilt. Tinúviel öffnet die Augen und drückt Claennis´s Hand ein Stück nach oben. Claennis zittert und Tinúviel hebt leicht den Kopf, um sie zu küssen. Wieder ist der Kuß erst leicht wie ein Hauch, ehe er an Leidenschaft zunimmt. Claennis flüstert mit etwas heiserer Stimme: „Bist du sicher?“ Tinúviel legt den Finger auf Claennis´s Lippen und nickt. Bald liegen die Kleidungsstücke rund um das Bett verteilt und nur die leisen Geräusche der Frauen geben Aufschluss darüber, was in dem Quartier vor sich geht.
Als Tinúviel wieder erschöpft eingeschlafen ist, denkt Claennis an Kalya. Sie denkt daran, wie es war die Elbin in den Armen zu halten...Trauer schleicht sich in ihren Geist, und so fällt auch sie schliesslich in einen unruhigen Schlaf, indem allerlei Alpträume sie plagen.

An diesem Abend ist ein Abendessen mit Red Dragon angesetzt. Der Speisesaal ist riesig, ein ovaler Tisch steht in der Mitte, etwa zwanzig Stühle stehen außen herum. Drei Plätze sind gedeckt, dieses Essen findet nur für die zwei Frauen und Dragon statt. Etwa zehn Diener bringen Gemüseplatten, feinstes Wildbret, Pasteten und Salate. Sogar ein ganzes Schwein wird aufgetischt. Dazu gibt es Elbenwein der feinsten Sorte. Während sie die feinen Speisen und Getränke genießen, erzählt Tinúviel, wie Claennis „aufgewacht“ ist. Dragon hört aufmerksam zu, doch er ist froh, Claennis lebend zu sehen, auch wenn sie noch so jung aussieht, wie damals, als man sie fand. Claennis ist ein wenig erschüttert, Dragon sieht älter aus und man sieht ihm die Verantwortung an, die auf seinen Schultern lastet. Doch auch etwas anderes geistert Claennis im Kopf herum...als sie mit Tinúviel das Lager geteilt hat, hat sie ein Geheimnis erfahren. Ein Geheimnis, das normalerweise gut geschützt unter dem Umhang versteckt ist. Tinúviel hat Flügel. Blaue Flügel, hauchzart, mit schwarzen Rändern. Und doch fest wie die eines Drachen. Sie hat so wunderschön ausgesehen, als sie völlig unbekleidet neben ihr gelegen hat. Diese silberne Haut, die wunderschönen welligen blauschwarzen Haare und dazu diese Flügel...die auch die Form von Drachenflügeln haben. Claennis schreckt auf, als Red Dragon sie anspricht: „Es war eine schöne Zeit, damals, nicht wahr?“
Claennis schaut verwirrt und nickt doch: „Ja, das waren herrliche Zeiten...“

Auch Red Dragon entgeht nicht, wie verwirrt Claennis aussieht, und wie abwesend sie wirkt... genausowenig wie ihm die ständigen verstohlenen Blick entgehen, die zwischen den Beiden gewechselt werden. Sollte Claennis´s Beziehung zu Kalyas Tochter etwa solcher Natur sein wie er dachte? Oh nein, das konnte er nicht glauben...oder doch? Ist es das Gleiche, was damals mit ihr und Kalya war?

Es wird Nacht, während die 3 muntere Gespräche führen. Dann begibt sich Tinúviel ins Quartier. Voll gerüstet kehrt sie zu den Beiden zurück. „Ich werde euch nun verlassen, habt Dank für eure Gastfreundschaft.“
Erstaunt blicken Claennis und Dragon zu Tinúviel. Das kommt nun völlig überraschend für die Beiden. Ehe sie die junge Elbin zurückhalten können ist sie zu den Ställen geeilt. Dort erwischt Dragon sie nochmals, als sie gerade Moonlight herausholt. „Wo wollt ihr hin, MyLady?“
Aus diesen seltsamen Augen mustert sie ihn wieder: “Könnt ihr mir sagen, in welcher Richtung ich die dunkle Festung finde?“
Dragon zuckt zusammen, dennoch teilt er ihr mit, wo die dunkle Festung liegt. Tinúviel bringt ihren Hengst auf den Hof und steigt auf. „Habt Dank für alles, Red Dragon. Sagt Claennis, das ich sie... liebe. Doch wird es Zeit für mich, auch das Zuhause meines Vaters kennenzulernen.“
Moonlight donnert in die Nacht hinaus.

Red Dragon schwirren hunderte Gedanken im Kopf herum... er hatte also recht gehabt mit Claennis und der jungen Elbin. Was hatte das Mädchen jetzt vor? Würden sie einen neuen Krieg mit einer neuen Schattenherrscherin bekommen?
Er geht in den Saal, wo Claennis sitzt, wie vor den Kopf geschlagen. „Sie sagte, das sie euch liebt...“ Claennis blickt auf und sieht Red Dragon an: „Wo ist sie hingegangen?“
Dragon zögert einen Moment, ehe er antwortet: „Zur dunklen Feste...“

Stunden später erreicht Tinúviel das Feld nahe der Festung. Sie blickt hinüber, zu der dunklen Feste, und die Ränder ihrer Augen glühen unheilvoll auf. Der Mond beleuchtet die beinahe schwarzen Mauern der riesigen Festung, die unheilvoll in den Himmel ragt. Ein einziger Weg führt von dem Feld hinauf zu der auf einem Hügel thronenden Festung. Sie treibt Moonlight auf das Feld, finstere Gestalten umgeben den Hengst, einen Augenblick lang sieht Tinúviel sich angstvoll um, ihr Herz schlägt rasend schnell und in ihrem Kopf sieht sie noch Claennis Gesichtsausdruck, als sie sagte das sie geht. Entschlossen reitet sie weiter. Tote ohne Seelen jammern unheilverkündend, singen ihr trauriges Lied, die Schattenwesen des großen Schattens berühren die junge Elbin, die sich einen Weg nach Morkh´Drah bahnt, doch tun sie ihr nichts. Dann steht sie vor den Toren der Festung, die sich wie einst vor ihrem Vater, so auch vor ihr öffnen.

Viele tausend Meilen entfernt beginnt SEIN Blutstein unheilverkündend zu pulsieren und er öffnet die schwarzen Augen, als Tinúviel, die Tochter der Dämmerung, das Kind aus Licht und Schatten, seine Tochter, auf Moonlight in die Festung reitet. Vor seinem inneren Auge sieht er sie, das Mädchen mit den schwarz umrandeten Augen, das Kalya so gleicht und doch auch nicht...er sieht, wie sie vom Pferd steigt und den Umhang abnimmt, er sieht ihre Flügel...dann bricht die Vision wieder ab. Mit einem stolzen Lächeln sieht er zu seiner Geliebten.

Tinúviel sieht sich um, alles ist riesig, der verlassene Hof, die Mauern, welche von Moosen und Efeu umrankt sind...
Sie glaubt die Mauern ächzen zu hören unter jahrhundertealter Last, irgendetwas unheimliches beseelt diese Festung. Tinúviel fröstelt. Ein feiner Piepston erklingt in ihren Ohren, sie geht in die Knie. „Was...was ist das...?“
Das Piepsen hört wieder auf, erleichtert sieht Tinúviel sich um. Dann hört sie die Stimme: „Willkommen in Morkh`Drah. Wer seid ihr, das die Festung euch einfach so einläßt?“
Erschrocken sieht Tinúviel sich um, dann sieht sie einen schwarz gekleideten Ritter, er scheint wie aus dem Nichts erschienen zu sein. „Ich bin Tinúviel, Tochter der Dämmerung...ich suche nach meinem Vater.“
Er sieht sie einen Moment lang ungläubig aber mißtrauisch an: „Wie kommt ihr darauf, das er hier ist? Er ist schon lange fort...wer sagt mir außerdem, das ihr wirklich SEIN Kind seid?“

Tinúviel sieht weiterhin zu ihm, die schwarzen Ränder ihrer Augen glühen leicht auf. „Erinnert ihr euch an - Kalya?“
„Ja ich erinnere mich, ich brachte sie selbst hier her. Ich bin der, welcher über Morkh´Drah wacht, MyLady.“
Wütend erregt schlägt Tinúviel mit den Flügeln, deren Farben durch die Bewegung zu einem blauschwarz verschwimmen.

Eine Vision überkommt Tinúviel, sie fällt zu Boden:

Ein Ritter holt ihre Mutter von jener Lichtung, ihre Mutter steigt freiwillig zu ihm aufs Pferd, alle Anwesenden sehen sie entgeistert an. Kalya sagt mit einem unbekümmerten Lächeln: „Ich werde wieder gesund zurückkommen.“ Der Ritter ist Jalindrael.

Er treibt sein Pferd an und nach langem Ritt erreichen die Beiden Morkh´Drah. Jalindrael weist Kalya die Richtung, in der sie SEINE Gemächer findet und ihre Mutter betritt diese furchtlos. Ein dunkler Raum, sehr groß und verschachtelt, erwartet sie, und in seiner Mitte steht ER, der große Schatten, neben einer freischwebenden Abbildung von Sardon. Die Beiden sprechen irgendetwas, dann tritt er auf sie zu. Er berührt sie an den Armen, zwingt diese hinter ihren Rücken und sagt mühsam beherrscht zu ihr: „Wer sagt das ich euch wieder gehen ließe?“
Sie zeigt keine Angst, und als er sie wieder loslässt öffnet sie ihr Gewand.

Die Vision bricht ab. Dann vernimmt sie eine andere Stimme „Oh ja, ich erinnere mich an Kalya.“
Tinúviel blickt vom Boden auf und sieht ein paar schwarzer Augen an einer der Mauern. Instinktiv weiß sie, wer es ist. „Werde ich euch jemals von Angesicht zu Angesicht kennenlernen, Vater?“

Die Elbin steht auf, ihre Flügel schlagen leicht auf und ab.
Doch sie erhält keine Antwort. Die Augen sind verschwunden und Tinúviel befindet sich wieder mit dem Ritter allein auf dem Hofe Morkh´Drahs.

Er bringt sie in die Festung. Dort zeigt er ihr die Räumlichkeiten, schon bald weiß Tinúviel nicht mehr genau, wo sie und wie weit sie in der Festung sind. Die Gänge sehen alle gleich aus, die Mauern sind dunkel, ab und an von Fackeln erhellt. Die Räumlichkeiten sind verschachtelt, ein Unwissender würde sich auf der Stelle verirren. Als sie endlich alles gesehen hat, bittet sie den Ritter die Nacht dort verbringen zu dürfen. Er stimmt zu. Urplötzlich entschwindet er, läßt sie in einem der Gänge stehen. Jedoch genau so schnell ist er auch wieder da. Dann reicht ihr der Ritter ein Schwert, es ist aus schwarzem Metall.
Sie lächelt ihn an und - wieso weiß sie nicht genau - tauscht das seltsame Schwert gegen die Klinge ihrer Mutter. „Seltsam - es ist wie für mich gemacht...“
Jalindrael sieht sie an: „Es ist für euch gemacht, MyLady.“ Verständnislos sieht Tinúviel ihn an, während sie den Stein im Griff des Schwertes betrachtet.

Sie wird in ein Gemach gebracht, das wie ein Schlafgemach aussieht. Obwohl es so düster wie alles andere in dieser Festung wirkt, legt sie sich müde wie sie ist auf das dort befindliche Lager und schläft ein. Der Ritter lächelt sein seltsames Lächeln und verläßt das Gemach.
Sie träumt seltsame Dinge, von schwarzen Augen und einer schmerzhaften Prüfung, auch von Claennis träumt sie. Unruhig wälzt sie sich hin und her.
Am nächsten Morgen als sie erwacht, flüstert sie leise: „Vater, was kann ich tun, um euch zu gefallen und euch zu helfen?“
Wieder erhält sie keine Antwort. So durchstreift sie Morkh´Drah und betritt, nachdem sie sich einige Male verlaufen hat, schließlich einen riesigen Saal, dessen oberes Ende von einem Thron aus Knochen dominiert wird. Tinúviel erkennt, was es für Knochen sind. Dann flieht sie aus dem Raum. Der Ritter folgt ihr. „He junge Lady, wo wollt ihr denn hin?“ er packt sie am Arm. „Aua, ihr tut mir weh!“ Tinúviel starrt den dunklen Ritter mit schmerzverzerrtem Gesicht an. Er läßt sie los und sie murmelt: „Ich möchte gehen...bitte bringt mich zu meinem Pferd.“
Er befolgt ihre Weisung und bringt sie zu Moonlight. Auf dem Hof wirft sie das schwarze Schwert hin. Als sie davonreitet, sieht er ihr mit einem seltsamen Gesichtsausdruck nach.

Tinúviel reist an diesem Tag nicht weit. Oft rastet sie, denkt nach über das Gesehen. Und dann fangen diese Visionen an, sie zu quälen...sie sieht Bilder vor sich, Bilder ihres Vaters. Bilder seiner Taten, sie sieht vor ihrem inneren Auge, wie er ganze Dörfer niedermetzelt. Sie sieht, wie er ein bestimmtes Dorf dahinschlachtet und nur ein einziges Mädchen am Leben läßt. Trotz allem erkennt sie, das es ihre Mutter sein muß. Ein seltsames Gefühl überkommt sie, doch sie kann es nicht deuten.

„Es ist ein schwerer Kampf in ihr, mein Geliebter. Quält sie nicht zu sehr.“ Die Elbin in SEINEN Armen lächelt finster. „Es ist ihre Entscheidung ob sie meinem ehemaligen Lichterbe oder dem Erbe eurer Seite folgt.“
Der große Schatten knurrt etwas wütend.

Tinúviel versucht verzwifelt, sich Claennis Gesicht und die Drachenfeste in den Kopf zu rufen. Doch die dunklen Bilder werden mehr und sie findet auf eine seltsame Weise Gefallen daran, zu sehen wie ihr Vater die Unschuldigen tötet.

Es vergehen weitere Tage, sie vermag sich kaum zu rühren und ist froh wenn sie nur liegen kann, Tinúviel schafft es, wieder ans Licht zu denken. Da spürt sie plötzlich dieses Brennen in sich, am Himmel erscheinen wieder die schwarzen Augen. Sie bekommt keine Luft mehr und scheint von innen heraus zu verbrennen. So plötzlich wie es angefangen hat, hört es auch wieder auf.

Wieder treibt sie sich tagelang in der Wildnis herum. Und dann findet sie sich vor den Toren Morkh´Drahs wieder. „Ich bin bereit...“

Die Tore öffnen sich und Tinúviel reitet abermals in die Festung. Auf dem Hof findet sie das Schwert, das sie zurückgelassen hatte und nimmt es mit. Irgendwie schafft sie es, den Weg zum Thronsaal zum finden.
Der schwarze Ritter befindet sich bereits dort.

Wie gebannt betrachtet sie diesmal den Thron. „Hat er hier gesessen, mein Vater?“

Die Stimme die plötzlich erschallt erschreckt sie: „Ja, ich habe hier gesessen. Ihr wollt mir helfen, Tinúviel?“

Sie nickt: „Ja, Vater, ich will euch helfen...ich bin nicht wie Mutter.“

„Wie ich sehe, habt ihr mein Geschenk bereits angenommen, meine Tochter.“ Die schwarzen Augen betrachten das Schwert, welches an ihrer Seite hängt.
„Es ist wunderschön, Vater. Ich werde es mit Stolz tragen. Sagt mir, was ich für euch tun kann.“
Der schwarze Ritter nimmt Tinúviel bei der Hand.

Claennis befindet sich weiterhin in der Festung des Drachenbundes. Sie kann nicht verstehen, wieso Tinúviel gegangen ist. Dragon hat sich bereits über seine aufkeimende Sorge einer erneuten Schattenherrschaft geäußert, und Claennis befürchtet, das es tatsächlich so kommen könnte. Immerhin lebt der Schattenteil noch, der Lichtteil jedoch war bei der Geburt gestorben...oder? Sie kann sich eines komischen Gefühls nicht erwehren, Zweifel steigen in ihr auf und werden mit jedem Tag stärker.

Tinúviel erwacht plötzlich wieder, am Boden vor dem Knochenthron, gekleidet in eine schwarze Rüstung und betraut mit ihrer Aufgabe.
„Ich werde euch so viele Seelen sammeln, wie ihr wollt, mein Vater.“

Entschlossen steht Tinúviel auf. Der Hüter der dunklen Festung erscheint wie aus dem Nichts. „Ich werde euch beistehen, MyLady.“
Tinúviel lächelt düster.

Viele tausend Meilen entfernt lächelt eine Elbin in den Armen des großen Schatten beinahe traurig. „Sie hätte das Licht sein können.. wäre mein Erbe in ihr etwas stärker gewesen...“
Claennis überkommt in diesem Moment noch stärker diese seltsame Gefühl.

Tinúviel holt Moonlight, der Hengst ist in eine Art Rüstung gekleidet, sie ist schwarz wie Tinúviels Rüstung, läßt jedoch das weiße Fell des Hengstes hervorschimmern. Im Griff des schwarzen Schwertes steckt ein Stück des Seelensteins des großen Schattens. Die junge Schattenherrscherin von Sardon verlässt Morkh´Drah mit einem finsteren Lachen. Der Hüter sieht ihr nach.

Tinúviels Weg führt sie vor die Festung der Drachen. Wiehernd und steigend stoppt Moonlight davor und Tinúviel schreit den Wachen zu: „Ich bin Tinúviel, Tochter der Dämmerung! Höret meine Worte! Ich werde euer größter Alptraum werden nach meines Vaters Weggang! Ich werde SEIN Werk vollenden!“

Moonlight donnert davon, die Wachen sehen sich entgeistert an. Einer der beiden rennt zu Dragon. „Sir... mein Gott Sir! Das Mädchen war hier, Tinúviel...“ Der Wachmann wiederholt die Worte der jungen Elbin. Dragon schaut besorgt: „So ist es also wahr geworden...“
Claennis hat ebenfalls mitbekommen was geschehen ist und schlägt die Hände vors Gesicht: „Nein, das darf nicht wahr sein!“
Die Trauer, ohnehin in den letzten Tagen sehr stark, übermannt Claennis und lässt sie erstmals in ihr Zimmer fliehen.

Tinúviels Weg endet am nächsten Dorf, die Bewohner meinen eine normale Kriegerin vor sich zu haben. Ein kleiner Junge springt vor ihr Pferd - und fällt kopflos zu Boden. Das Lachen der jungen Schattenherrscherin hallt durch das Dorf, als die Leute panisch umher rennen, in Erinnerung an den großen Schatten. Einer nach dem anderen fällt ihrem Schwert zum Opfer. Frauen, Kinder und Männer. Die Alten in den Häusern sterben als letzte. Als Tinúviel nach Morkh´Drah zurückkehrt, folgt bereits eine seltsame Prozession ihrem Hengst.
Der Hüter sieht ihr entgegen und mit einem bösen Lächeln sagt sie zu ihm: „Ich möchte das mein Vater stolz auf mich ist...“
Er lächelt fein und sieht sie beinahe traurig an. Dann folgt er ihr in den Thronsaal, wo sie sich auf den Thron ihres Vaters setzt.

Die blauen Augen der Elbin sehen in SEINE schwarzen. „Ich denke, das es Zeit wird, ihr zu sagen das ich noch lebe. Laßt uns nach Morkh´Drah reisen, Geliebter.“
Er nickt. „Jedoch solltet ihr erst euer Roß rufen, bevor es nicht hier ist, reisen wir nicht ab.“ Kalya konzentriert sich und im Stall des Drachenbundes reißt Luzifer sich los und donnert in wildem Galopp durchs Tor davon.

Claennis sieht ihn davongaloppieren. Das komische Gefühl wird erneut stärker.

Tinúviel mordet weiter, insgesamt fallen ihr in diesen Tagen 14 Dörfer zum Opfer. Und nur wenige Tage später erreicht Luzifer sein Ziel. Kalya begrüßt ihn erfreut: „Mein alter Freund...mein Luzifer...“
Sie lächelt. ER tritt von hinten an sie heran und sieht ihr in die Augen, die unheilvoll in ihrem blau strahlen. Letztendlich hat er sie doch auf seine Seite geholt. Seine Hände streichen über ihren Bauch, ihre erneute Schwangerschaft von ihm bereitet ihr diesmal keinen Schmerz.
„So lasst uns reisen, geliebte Kalya.“
Die Elbin sitzt auf. Um ihren Hals strahlt die Kette, in der ein weiteres Stück des Seelensteins glitzert.

Tinúviels finsteres Lachen hallt durch die Gänge Morkh´Drahs, sie ist betrunken vom Elbenwein und nähert sich dem Hüter. „Hm, ihr seid ein schöner Mann...“
Doch der schwarze Ritter wehrt sie ab und bringt sie in ihr Quartier. Beleidigt sitzt Tinúviel auf ihrem Bett.

Sie überlegt lange, ehe sie einen der jungen Burschen kommen lässt, die sie gefangengenommen hat. Dann zwingt sie ihn, sich ihr hinzugeben.

Früh am nächsten Morgen zieht sie wieder aus, und jagt. Sie erwischt einige unachtsame Krieger. „Für meinen Vater!!“ schreit sie. Moonlight jagt zwischen die Krieger und bringt sie zu Fall, das Seelenschwert wirbelt durch die Körper und erledigt den Rest, als die Krieger sterbend am Boden liegen...

Kalya und ER nähern sich den Grenzen Sardons, unheimliches Wispern begleitet sie, immer wieder sieht ER nach seiner Geliebten um sicherzugehen, das ihr und dem Kind nichts schadet. Als sie Sardons Grenzen überschreiten, scheint die Luft stillzustehen, die Tiere schweigen, nicht einmal ein Wind weht. Claennis die gerade auf der Jagd war blickt auf. Das seltsame Gefühl bestätigt sich, als ihre Blutsschwester die Landesgrenze überquert. Dann erreicht sie den Platz, an dem Tinúviel die Krieger überrascht hat.

Tinúviels Schwert stoppt über ihrem letzten Opfer, leise flüstert sie: „Vater...er ist hier...und...und Mutter!“ Ihr Gesicht wirkt einen Augenblick fassungslos, Unsicherheit zeichnet sich in ihrem Gesicht ab.

Der junge Krieger will die Chance nutzen und ihr das Seelenschwert entreißen. Seine Hand verbrennt daran, er schreit auf. Das Schwert dringt tief in sein Fleisch, von Tinúviel hineingetrieben und seine Seele wird vom Schattenschwert aufgenommen. Ihr Lachen klingt höhnisch.

„Tinúviel! Wieso...wieso tut ihr das? Ihr liebt mich, habt ihr gesagt...wieso seid ihr zu den Schatten gegangen?“

Tinúviel wendet sich um, schon lange spürt sie die Anwesenheit der Amazone. Sie sieht Claennis an. „Ja, ich liebe euch, und doch hat jeder sein Schicksal zu erfüllen, Claennis...“
„Oh diese Worte mit dem Schicksal, ich kenne sie zu gut von eurer Mutter...sie war eine ehrenwerte Kriegerin, doch was hat euer Vater aus ihr gemacht?“ Claennis´s Stimme klingt wütend.

Ein bösartiges Lächeln zieht über Tinúviels Gesicht. „Ihr habt also auch endlich begriffen, das meine Mutter nicht tot ist...doch ich sage euch, sie IST GLÜCKLICH!“

Nachdem sie sich an dem sichtbaren Schmerz in Claennis´s Gesicht gelabt hat, eilt sie auf Claennis zu, ringt ihr einen schmerzhaften Kuß ab und springt dann auf Moonlight, der wiehernd davonprescht, ehe Claennis reagieren kann. Tinúviels Gelächter hallt über die Ebene, während Claennis inmitten der toten Krieger zurückbleibt.

In den verzauberten Wäldern macht sich währenddessen Beren für seine große Reise bereit. Er wird seiner Schwester nach Sardon folgen, wie es ihm in einem Brief befohlen worden war.

Tinúviel treibt Moonlight wild zurück zur Feste und sieht stolz aus. Als sie ankommt und durch die riesigen Tore reitet, erwartet der schwarze Ritter sie. „Eure Eltern sind soeben angekommen, Schattenlady.“
Sie nickt ihm dankend zu und begibt sich in den Thronsaal, in dem nun ihr Vater auf dem Knochenthron sitzt. Rechts neben ihm sitzt Kalya, unheilvoll schön.
„Mutter...Vater..“ Tinúviel verneigt sich. Dann betrachtet sie lange ihre Mutter.
ER lächelt. Er spürt die Aura seiner Tochter, sie ist seiner eigenen recht ähnlich.
„Mutter, ich sehe ich bekomme noch ein Geschwisterchen?“
Kalya lächelt unergründlich. „Ja das tut ihr, meine Tochter.“

Tinúviel lächelt erfreut, doch ist es ein Lächeln das von ihrer Bösartigkeit zeugt. „Denkt gar nicht erst darüber nach, mein Kind...“ In diesem Augenblick steht das Lächeln Kalyas dem Tinúviels an Bosheit in nichts nach.
ER erhebt sich und tritt vor seine Tochter. Lange sieht er in ihre Augen, deren schwarze Ränder langsam dichter werden und das blau vertreiben. Dann geht er um sie herum und betrachtet die Flügel. Die Rüstung wurde speziell für Tinúviel angepaßt, so das sie diese trotz ihrer Flügel tragen kann.

Der große Schatten hat seine Begutachtung beendet und nickt zufrieden. Kalya erhebt sich und umarmt ihre Tochter. Dann begibt sie sich auf den Hof, wo Luzifer bereits auf sie wartet. Der Hengst wirkt vitaler, seit er zu Kalya zurückgekehrt ist. Und auch Kalya sieht um kein Jahr gealtert aus, seit sie dem Schatten in die Dunkelheit folgte.
Sie verlässt Morkh´Drah und reitet auf die Lichtung. Thoriar ist gerade dort und auch Claennis. Thoriar starrt Kalya fassungslos an, Claennis erhebt sich und sieht Kalya an: „So sieht man sich wieder...“
Kalya lächelt von Luzifer herab. „Ja, so sieht man sich wieder.“

Thoriar will zu Kalya rennen und sie umarmen, doch Claennis hält ihn gerade noch zurück. Kalyas Schwertspitze reißt eine große Wunde in seinen Arm.
Claennis deutet auf die Kette mit dem Seelenstein. Thoriar sieht Kalya an, als wolle er sie bitten zu sagen, das es nicht wahr sei. Er bemerkt nicht das Blut, das ihm den Arm herunterläuft. Doch ihre Augen sind unerbittlich. „Ich liebe ihn. Und ich bekomme sein zweites Kind.“
Thoriar und auch Claennis sehen ihre ehemalige Freundin an. Sie können es nicht fassen. Ihre silberne Klinge ist das Schwert, welches sie damals schon hatte, doch inzwischen sind die elbischen Runen in schwarzer Schrift. „Stellt euch meiner Tochter nicht in den Weg, ich warne euch. Es könnte tödlich ausgehen.“

Luzifer wendet und trägt seine Herrin wieder zurück nach Morkh´Drah. Zurück bleiben Claennis und Thoriar, wie vor den Kopf geschlagen. Thoriar flüstert: „Sie wollte doch nie die Seite wechseln...wieso nur..?“
Claennis schaut ihrer ehemaligen Blutsschwester nach, tief in sich ist etwas lang verloren geglaubtes erwacht.

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