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Date Posted: 06:49:00 07/01/03 Tue
Author: Traumfalke
Subject: Die Silberelbin - Anfang meines Buches

Das hier ist nur ein Ausschnitt aus dem was ich bereits habe, der Anfang sozusagen...ich hoffe es gefällt.



Leise schleicht Michael über den moosbewachsenen Weg in dem tiefgrünen Wald, er bemerkt nicht, das ihn ein Blick verfolgt. Seine Gedanken verweilen bei dem Blutbad das er vor einiger Zeit in jenem elbischen Dorf angerichtet hat. Urplötz lässt ihn ein Schrei beiseite springen doch er ist nicht schnell genug. Er zieht sein Schwert.. an der Klinge klebt noch das Blut, das er wenige Stunden zuvor in jenem Wald vergossen hat. Elbenlut...

Tinúviel erreicht durch ihren Überraschungsangriff genau das was sie erreichen wollte – sie bringt den um einiges schwereren Mann zu Fall. Er zieht sein Schwert, aber ehe er sie verletzen kann hat sie die Klinge ihres magischen Elbenschwertes in seinen Hals gebohrt. „Das ist für die Toten meines Volkes, die ihr auf dem Gewissen habt!“. Mit einem Ruck entfernt sie die Klinge aus seinem Hals und entschwindet im Dunkel des Waldes. Sie hält erst an, als sie einen Fluß erreicht. Dort taucht sie die Klinge ins Wasser und reinigt sie vom Blut. Es ist eine ruhige Lichtung, inmitten des verzauberten Waldes. Das Wasser des Flußes ist türkisblau und rein, hier gibt es nichts, das es verschmutzen kann. Der Fluß entspringt direkt der heiligen Quelle.
Erst jetzt nimmt sie ihren Umhang ab. Ein Zittern hat die Elbin ergriffen, ein düsteres Verlangen in ihren Augen noch mehr zu töten, doch sogleich verschwindet der Gedanke wieder und Tinúviel ist selbst erschrocken darüber. Nur die Rehe sehen die Flügel, die den gleichen Farbton haben wie die Augen Tinúviels. Das mit Blut bespritzte Gewand der Elbin fällt zu Boden, im Schein der Sonne schimmert die silberne Haut so stark, das sie jeden menschlichen Zuschauer blenden könnte, sogar die Tiere senken ihre Köpfe. Ihre blauschwarzen Haare fallen in schimmernden Wellen bis an den Po. Nachdem die tiefdunkelblauen, mit einem seltsamen schwarzen Rand umgebenen Augen einmal in die Runde gesehen haben, hat jedes Tier auf der Lichtung verstanden, das sie zu beschützen ist. Nachdem dies klar ist, begibt sich Tinúviel in das kühle Flußwasser.
Ihr Gesicht nimmt einen angewiderten Ausdruck an, als sie beginnt, das Blut von ihrem Körper zu waschen, wieder zittert sie, doch nun ist es die Angst und die Gewissheit, das sie jemanden getötet hat. Ob sie mich bestrafen werden?

Sie schliesst ihre Augen, Gedanken schießen ihr durch den Kopf, Erinnerungen:

Lachend rennt das kleine Mädchen vor dem halbwüchsigen Elben davon, versteckt sich in einem ausgehöhlten Baumstamm, um dem Fangspiel zu entkommen. Der Elb bleibt stehen, sieht lachend zu ihr hinein. „Tinúviel das gilt nicht!“...Eine andere Szene geht ihr durch den Kopf...
Sie steht allein am Waldrand, beobachtet das Dorf. Nicht weit von ihr stehen Beren und Lalaith und beobachten sie. Als sie die Blicke der beiden Männer bemerkt, errötet sie. Rasch verschwindet das wilde Mädchen im Wald, steht sie doch am Anfang ihres Frauseins, obwohl sie sehr jung ist für eine Elbin.
Wieder eine andere Szene umfängt sie... Ein Fest in dem kleinen Dorf, sie und Lalaith führen den rituellen Tanz auf, alle applaudieren....nach diesem Tanz geht Tinúviel allein in den Wald. Sie hat schon die ganzen letzten Tage gemerkt wie ihre Flügel stärker und größer wurden, es wird schwieriger, sie zu verbergen...sie beschliesst, einen Umhang zu tragen und die Flügel immer zu falten, damit man sie nicht sieht. „Niemand sonst hat Flügel...“ flüstert sie. Wieder kehren ihre Gedanken einen Moment zu dem kühlen Flußwasser zurück, dann explosionsartig überfällt sie eine andere Erinnerung, eine Flut von Bildern die sie quält...
...Bilder von alten Freunden, alten Feinden, Lehrern und den Frauen des Dorfes die sie aufzogen...Bilder von Lalaith und Beren, Bilder von ihrer Einweihung als Stammeskriegerin, nachdem sie ihre Ausbildung beendet hatte. Das stolze Lächeln der Prinzessin des Waldelbenvolkes, sie sieht sich selbst in ihrem Eifer beim Trainieren und die Sorge einiger Frauen, wenn sie Tinúviel mit dem Schwert hantieren gesehen hatten. Sie sieht noch die Szene, als Prinzessin Alatáriel ins Nachbardorf reist und ihr, Tinúviel die Verantwortung für die Sicherheit des Dorfes überträgt.
„Wieso bin ich zu spät gekommen?“ denkt sie.
Sie sieht sich, wie sie auf jenem Baum saß, sieht, wie der Mensch wie ein Berserker ihre Freunde, ihre Verwandten, ihr Volk erschlägt. Alte, Kinder, Männer und Frauen...jeder versucht sich zu wehren doch sie haben keine Chance. Er erschlägt sie, einen nach dem anderen und Tinúviel kann nichts tun, wenn sie sich nun zeigt stirbt sie mit allen anderen. Sie muß alle rächen.
Die Bilder der toten Kinder, der toten Frauen und Alten gehen ihr nicht aus dem Kopf und eine leise Träne rollt über ihre Wange. Zornig wischt sie diese fort, Tränen machen ihre lieben Freunde, ihr Volk auch nicht mehr lebendig.

Eine alte, weißhaarige Elbe erscheint am Ufer: „Tinúviel, Tochter der Dämmerung...du hast als einzige deines Stammes überlebt. Komm mit mir – die Waldelben der heiligen Quelle werden dir ein Zuhause bieten wenn du es möchtest.“

Tinúviel wird aus ihren quälenden Erinnerungen gerissen und realisiert erst nach einigen Minuten, wer da ihren Namen sagte. „Lúthien...“

In Tinúviels Gesicht spiegelt sich der Schmerz über den Verlust all der Elben, die ihr anvertraut waren. Das Licht, die Seite die sie von ihrer Mutter erbte, ist stark in ihr an diesem Ort, doch umgibt sie ein düsteres Geheimnis, man sieht es an ihren seltsamen Augen.

„Tinúviel - gräme dich nicht. Du bist jung – zu jung – um dir für diese Tragödie die Schuld zu geben. Höre, mein Kind:

Unter jenen die heute den Weg alles Irdischen gingen, waren Elben die schon dreimal so alt wie du waren und die wußten, wie die Menschen sind. Gib nicht dir die Schuld, denn sie hätten dich warnen können, junge Kriegerin.“

Wieder schaut Tinúviel voller Schmerz zu der alten Elbin. „Wie soll ich das Prinzessin Alatáriel erklären, wenn sie wiederkommt? Wie soll ich ihr erklären, das ich ihren Stamm in den Tod geführt habe?“

Lúthien wartet, bis Tinúviel an Land gekommen ist. Dann legt sie ihr einen sauberen Mantel um und verwahrt die blutigen Gewänder in einem Beutel. „Auch Prinzessin Alatáriel ist deutlich älter als ihr, Tinúviel. Sie wusste um die Gefahren und sie dachte, das man euch warnt. Sie wird euch keine Schuld geben.“

Tinúviel schmiegt sich an die alte Elbin, und folgt ihr zum Lager der Waldelben. Erst als man direkt davor steht, sieht man das Lager, bestehend aus einfachen Lehmhütten am Boden für die Nahrung und kunstvollen Häusern in den Wipfeln der Bäume. Von einem der rampenartigen Gebilde, die man auf den Boden hinablassen und bei Bedarf als Schutz vor Feinden hochziehen kann, schreitet langsam die Person, vor deren Anblick sie sich am meisten gefürchtet hat - Prinzessin Alatáriel. Das Gesicht der Prinzessin ist von Trauer und Schmerz gezeichnet, aber auch von Schuldgefühlen. Tinúviel bekommt noch ihre letzten Worte mit:“...ich hätte sie nicht allein lassen dürfen. Sie ist noch so jung...ich hätte wissen müssen das irgend so ein Mensch wiederkommen würde...“


Als hätte die Prinzessin die Ankunft der beiden Elbinnen bemerkt, dreht sie sich um und sieht Tinúviel direkt an. Diese senkt sofort reumütig den Kopf.

Alatáriel tritt auf die junge Kriegerin zu und drückt sie an sich:
„Mein liebes Kind – ich hätte euch warnen sollen vor diesen bradog* Edhain**. Was geschehen ist, ist geschehen. Niemand macht euch einen Vorwurf. Und Tinúviel – es sind nicht alle gestorben.“
Die Kriegerin hebt den Kopf: „Nicht?“
„Nein, nicht. Schau – du und ich wir leben noch und auch Beren und Lalaith leben noch. Sie befanden sich im Wald, als der Mensch kam.“
Tinúviels Blick schöpft wieder etwas Hoffnung, als sie die Namen ihrer besten Freunde hört: „Wo sind sie?“ In ihrem Inneren durchströmt sie tiefe Freude, hatte sie doch geglaubt, Beren und Lalaith wären diesem Irren ebenfalls zum Opfer gefallen.
„Wir sind hier, liebe Schwester.“ Beren erscheint neben einer der Hütten. Tinúviel wirbelt herum und eilt ihm entgegen. „Wie schön euch lebend zu sehen Beren!“. Sie erblickt nun auch den Lyriker des Stammes – Lalaith: „Oh wie wundervoll ihr lebt auch noch so müssen wir eure wundervollen Lieder und Gedichte nicht missen!“
Beren tritt nahe an die junge Kriegerin und sieht ihr einen Moment lang tief in die Augen – doch sie wendet den Blick ab. Irgendetwas ist hier, was nicht sein dürfte.
„Werde ich denn gar keine Strafe erhalten? Meinetwegen sind so viele Elben nun nicht mehr hier.. so viele...“
Tinúviel schließt ihre Augen, um den wieder aufkeimenden Schmerz zu verbergen und kniet dann vor der Prinzessin nieder, um aus Berens Nähe zu entkommen. Alatáriel sieht auf sie nieder. „Nein, Tinúviel. Warum sollte ich euch bestrafen? Ihr wusstet doch nicht wie grausam die Edhain sind. Was ist eigentlich mit dem geschehen, der unsere Brüder und Schwestern tötete?“

„Er kostete den Stahl meines Schwertes und folgte all denen die er umbrachte.“

Tinúviels Blick ist eisern und ihre Stimme klingt hart.
Alatáriel betrachtet mit sorgenvoll gerunzelter Stirn die junge Kriegerin. „Lasst euch nicht vom Haß leiten, Tochter der Dämmerung. Tinúviel, ihr seid jung und wenn ihr so weitermacht, werdet ihr vom Haß zerfressen.“ Bei sich denkt Alatáriel: „ Es ist nicht gut, der Haß zerfrisst sie und führt sie ihrem dunklen Erbe näher...doch ich darf nicht zeigen das ich weiss wer sie ist.“
Die junge Elbin hebt den Kopf und sieht Lúthien an. Diese versteht, bahnt sich einen Weg durch die anderen Elben und stellt sich vor Tinúviel. „Ich werde sie in meine Obhut nehmen, und nun bringe ich sie in mein Haus. Sie will baden und frische Kleidung, denn diese kann sie nicht mehr tragen."

*bradog = entartet,pervers
**Edhain oder Adan = Menschen

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